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Software sorgt für gleiche Löhne bei der Bedag

Frauen verdienen rund einen Fünftel weniger als Männer. Die Gründe dafür sind ebenso vielfältig wie die Suche nach Gegenmassnahmen. Das Berner Informatikunternehmen Bedag nutzt zum Beispiel eine spezielle Software.

Im gleichen Büro bei der gleichen Arbeit wie die Kollegen: Bei der Bedag erhalten Frauen wie Rosetta Gosteli auch gleich viel Lohn.

Im gleichen Büro bei der gleichen Arbeit wie die Kollegen: Bei der Bedag erhalten Frauen wie Rosetta Gosteli auch gleich viel Lohn.
Bild: Iris Andermatt

Zwar stehen die Frauen am 8. März weltweit im Mittelpunkt, doch das restliche Jahr über gehen sie oft unter – vor allem im Erwerbsleben. Im Schnitt arbeiten Schweizerinnen im Vergleich zu den Schweizern einen Tag pro Woche gratis: Laut Bundesamt für Statistik (BfS) verdienen sie im Schnitt 19,3 Prozent weniger. Allerdings drücken die Chefs die Löhne ihrer Mitarbeiterinnen nicht immer absichtlich. Meistens spielen mehrere Faktoren eine Rolle. «Männer sind fordernder bei Lohnverhandlungen», sagt Norbert Thom, Direktor des Instituts für Organisation und Personal an der Universität Bern. Gleichzeitig könnten sie ihre Leistungen besser herausstreichen. Und schliesslich: «Ausfallzeiten wie durch Mutterschaft werden den Frauen nicht angerechnet.» Dies sei ein Fehler, denn: «Es gibt durchaus wertvolle Kompetenzen, die man als Familien-Managerin erwirbt.»

Kostet praktisch nichts

Dass es auch anders geht, zeigt das Berner Informatikunternehmen Bedag. Als eine der ersten Firmen hat sie 2006 die SoftwareLogib des EidgenössischenBüros für Gleichstellung (EGB) eingeführt. Seither nutzt die Bedag das System jedes Jahr, um ihre Lohnpolitik zu überprüfen. Die Gratissoftware zeigt automatisch an, welcher Lohn auf Grund der Faktoren Erfahrung, Ausbildung, Dienstalter, Anforderungen des Arbeitsplatzes und berufliche Position bei einer Person zu erwarten ist. Alles, was ausserhalb einer Toleranz von fünf Prozent liegt, wird genauer angeschaut.

«Der Aufwand ist sehr klein», sagt die Bedag-Personalverantwortliche Karin Ulrich. «Wir können die Daten aus der ohnehin obligatorischen Lohnerhebung direkt ins Logib-System importieren.» Deshalb fielen praktisch keine Mehrkosten an.

Nicht nur altruistisch

Die Frauen bei der Bedag – mit 81 gegenüber 390 Männern klar in der Minderheit – sind zufrieden: «Das ist ein guter Schritt», sagt Rosetta Gosteli, die als Software-Entwicklerin und Projektleiterin arbeitet. «Vorher waren sich viele bewusst, dass die Löhne ungleich sind.» Inzwischen hat die Bedag alle deutlich zu tiefen Gehälter angepasst.

Weniger glücklich waren bei der Einführung von Logib einzelne Männer. Sie fühlten sich benachteiligt. Der Bedag-Mediensprecher Rudolf Steiner meint schmunzelnd: «Auch bei uns ist nicht jeder Mann emanzipiert.» Doch da die Unternehmensleitung voll hinter der gelebten Lohngleichheit stehe, sei die Akzeptanz insgesamt gross.

Eine faire Lohnpolitik liegt auch im Interesse des Unternehmens selbst. Von Firmen, die wie die Bedag viele öffentliche Aufträge übernehmen, verlangen der Bund und andere Verwaltungen Selbstdeklarationen, dass sie gleich viel Geld für gleichwertige Arbeit zahlen. Falls dies nicht der Fall ist, könnten die Aufträge verloren gehen.

Selbstbewusstsein gefragt

Kritisiert wird an Logib, dass das System die Leistung nicht berücksichtigt. Die Bedag beurteile Leistungen separat, entgegnet Karin Ulrich. Logib sei nur ein Instrument, um zu prüfen, ob die Lohnpolitik im Ganzen stimme.

Hier öffnet sich allerdings ein neues Feld für eine mögliche Diskriminierung. Leistung objektiv zu beurteilen ist praktisch unmöglich, und Männern gelingt es oft besser, auf ihre Fähigkeiten aufmerksam zu machen. Sajeela Regula Schmid vom Eidgenössischen Büro für Gleichstellung meint: «Die Leistung kann ein Unternehmen am besten anhand von Zielvorgaben anschauen.» Doch auch hier gibt es wieder einen Haken. Beobachtungen zeigen laut Schmid, dass die Zielvorgaben für Frauen oft schwieriger zu erreichen sind, als als diejenigen für Männer.

Die Bedag schult ihre Kadermitarbeiter intensiv, um in diesem Punkt für grösstmögliche Fairness zu sorgen. Letzten Endes gibt es aber wohl nur einen Weg, damit weibliche Erwerbstätige gleich viel verdienen wie ihre männlichen Kollegen: «Frauen sollten nicht fromm und ergeben auftreten, sondern selbstbewusst ihre Leistungen betonen», sagt der Berner Professor Norbert Thom. (Berner Zeitung)

Erstellt: 08.03.2010, 10:21 Uhr

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